Oskar Cöster

Hegel und Marx

Zwei der ambitioniertesten, genialsten und wirkmächtigsten Denker, die der deutsche Sprachraum hervorgebracht hat und die stets zusammen genannt werden müssen, in einer großangelegten und detaillierten Gegenüberstellung, die kenntnisreich, gründlich und klar das Gemeinsame und das Trennende, den Einfluss Hegels auf den „Junghegelianer“ Marx und das revolutionär Neue des „Antihegelianers“ Marx gegenüber seinem Lehrer herausarbeitet – konzentriert auf eine zentrale Fragestellung beider Denker: die Konzeption einer vernünftigen Organisation des politischen, sozialen und kulturellen Gemeinwesens im Spannungsfeld des Gegensatzes von besonderem (egoistisch-ökonomischem) und allgemeinem (ethisch-politischem) Interesse. Eine grundlegende Untersuchung, die – unter Einbeziehung und Diskussion der neueren Hegel- und Marx-Literatur – die beiden Geistesheroen auch im Licht ihrer Wirkungsgeschichte zeigt.

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Die weit ausgreifende Studie ist sowohl systematisch als auch geschichtsphilosophisch und philosophiegeschichtlich orientiert und analysiert die als Vernunftmodell jeweils zugrunde liegende Vermittlungsfigur von allgemeinem und besonderem Interesse im Falle Hegels durch Zurückführung auf dessen „Logik“ sowie durch Bezugnahme auf seine jeweils komplementäre Sicht der Polis des antiken Griechenland und des Staats der Französischen Revolution bzw. der Staatsphilosophien Platons und Rousseaus, wobei beide Gegensatzpaare die Notwendigkeit einer vernünftigen Vermittlung von allgemeinem und besonderem Interesse anzeigen. Über eine Darstellung von Hegels Kantkritik gelangt die Studie zur Exposition und kritischen Analyse derjenigen Form, in der jene Notwendigkeit der Vermittlung nach Hegel erfüllte Wirklichkeit geworden sein soll: als „Wirklichkeit der Vernunft“ und als „Vernunft des Wirklichen“, wie sie in seiner „Rechtsphilosophie“ entfaltet ist.

Die Position von Marx bildet sich, wie gezeigt wird, in dessen „Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Kritik des Hegelschen Staatsrechts“ heraus, in der Marx sowohl die logische Struktur der Vermittlungsfigur selbst als auch die Verwirklichung dieses theoretischen Modells von Vernünftigkeit in der institutionellen Objektivität, wie Hegel sie entwirft, als illusorisch, weil „objektiv-idealistisch“, kritisiert: Die von Hegel intendierte und der transsubjektiven Subjektivität des „Begriffs“ bzw. der „Idee‘ aufgebürdete Vermittlung von besonderem und allgemeinem Interesse scheitert real an der Dominanz des ökonomischen besonderen Interesses der bürgerlichen Gesellschaft, die sich das allgemeine Interesse des politischen Staates unterwirft, so dass von einer Versöhnung beider Prinzipien nicht die Rede sein kann. In der schrittweisen Verfolgung der Marxschen Entwicklung von den „ökonomisch-philosophischen Manuskripten“ bis hin zum „Kapital“ erweist sich der materialistisch gefasste Begriff der „Entfremdung“ als die Schlüsselkategorie, mit der Marx sowohl den unversöhnten Prinzipiendualismus von allgemeinem und besonderem Interesse als auch das Scheitern der Vermittlung mangels eines kompetenten realen Subjekts dieser Vermittlung gleichermaßen auf den Begriff bringt, im ersteren Fall als logische, im zweiten als ontologische Form von „Entfremdung“. 

Im Schlusskapitel der Untersuchung wird das Marxsche Konzept einer revolutionären Aufhebung der kapitalistischen Entfremdung durch das geknechtete und sich selbst und die Menschheit emanzipierende Industrieproletariat diskutiert. Im Akt der Revolution, wie auch in der durch sie errungenen kommunistischen Gesellschaft,  fallen nach Marx besonderes und allgemeines Interesse nicht vermittelt, sondern unmittelbar zusammen, und sie gelangen zu dieser unmittelbaren Einheit, indem das revolutionäre wie das postrevolutionäre Subjekt sich als das vernünftige Subjekt dieser vernünftigen Einheit erweist. Der späte Marx vollzieht jedoch, wie gezeigt wird, eine objektivistische Wende, indem er die emanzipatorische Tat des vernünftigen kollektiven Subjekts unter den Zwang einer objektiven historischen Notwendigkeit stellt und damit eine methodologische Form der Entfremdung selber installiert.

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Produktinformationen

Oskar Cöster

Hegel und Marx

Struktur und Modalität ihrer Begriffe politisch-sozialer Vernunft

Wissenschaftliche Studie

688 Seiten

Hardcover mit Fadenheftung

Limitierte Auflage des Bouvier Verlags, Bonn (Rechte bei DOC’S COMMUNICATIONS Verlag)

ISBN 3-9802597-1-4

49,00 €

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Expertenurteile & Pressestimmen

„Eine hervorragende wissenschaftliche Leistung.“
Prof. Dr. Christos Axelos, Universität Hamburg
„Gründliche Kenntnis, klarer Aufbau, immense Arbeitsleistung."
Prof. Dr. Herbert Schnädelbach, Universität Hamburg
„Cöster’s book not only operates on a high conceptual level, but also betrays a fine sensibility to what are the decisive problems.”
Prof. Dr. Hans J. Verweyen, Philosophy and History, German Studies
“L’ouvrage est solide, bien construit: L’auteur donne l’impression de dominer les deux oevres qu’il analyse et compare … Bonne presentation … Une contribution de qualité.”
Prof. Dr. Jean Brun, Etudes Germaniques

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